Komplexität, Nichtwissen und Unsicherheit: Bescheidenheit ist gefragt

weshalb haben wir, (moderne) Menschen, Schwierigkeiten, mit Komplexität, Nichtwissen und Unsicherheit umzugehen?
 
So arrogant sind wir...

Alles ist eigentlich eine Frage der mentalen Einstellung und des Selbstbildes: solange wir weiterhin daran glauben, dass wir, als (Projekt-)Manager, das wirkliche Leben in den Griff bekommen können (wie es immer noch in manchen Management-Ausbildungen geprädigt wird), wird dies zu solchen Ereignisse führen:

Ein Ergebnis der "epistemischen Arroganz", wie es Nassim Nicholas Taleb in seinem Buch „Der schwarze Schwan“ nennt.

Solange wir aus Materie bestehen...

Neben unserer menschlichen Arroganz sind wir biologischen Grenzen ausgesetzt, weil wir Menschen sind, d.h. weil unser Gehirn aus Materie besteht (es gäbe noch die Frage zu beantworten, ob anderswo als im Gehirn auch gedacht wird...). Betrachten wir mal die Bremermann-Grenze, die die maximale Verarbeitungsgeschwindigkeit von Datenverarbeitungssystemen beschreibt. Hans J. Bremermann leitete aus der Äquivalenz von Masse und Energie E = mc2 und der Planck-Gleichung die Erkenntnis ab, dass die Verarbeitung von Symbolen höchstens mit einer Geschwindigkeit von 1,35 x 1047 bit/Gramm/Sekunde erfolgen kann.

Wenn wir die Hypothese wagen, dass der Mensch als biologisches Wesen einem (mechanischen / elektronischen) Datenverarbeitungssystem ähnlich ist, kann jetzt jeder für sich seine "maximale Verarbeitungsgeschwindigkeit" berechnen, aufgrund seiner Gehirn- oder Körpermasse...

... stossen wir an Grenzen

Erkenntnis: irgendeinmal ist unsere rechnerische Fähigkeit überfordert. Und irgendeinmal auch die von Maschinen, die uns in solchen  Prozessen unterstützen. Dieses (unbewusste) Gefühl von Überforderung ist unbequem und kann sogar Notfallreaktionen des kognitiven Systems auslösen, wie Joachim Funke es darstellt:

"In dem Augenblick, in dem eine problemlösende Person die Anforderungen nicht mehr bewältigen kann, kommt die enge Verzahnung von Kognition und Emotion besonders deutlich zum Vorschein. (...). In dieser Notfallreaktion infolge eines mit Unlust einhergehenden Kontrollverlusts kommt es typischerweise zu einer Senkung des intellektuellen Niveaus, zu einer erhöhten Bereitschaft zu schnellem Handeln, einer degenerierten Hypothesenbildung (...) und einer Entkonkretisierung von Zielen (...)."

Ist jede Problemlösende Person dem immer selbstbewusst?...

Fehler der konstruktivistischen Methode

Schon in der Schule haben wir gelernt, wie Probleme zu lösen sind. Diese logische, rationnelle Problemlösungskompetenz ist so ausgeprägt, dass wir sie unreflektiert auch bei komplexen Fragestellungen anwenden. Fredmund Malik, macht uns in seinem Buch Strategie des Managements komplexer Systeme, auf die Fehler dieser konstruktivistischen Methode aufmerksam:

  1. Die begrenzten geistigen Fähigkeiten des Menschen (v.a. bzgl. Informationsverarbeitung), und andere Besonderheiten der Funktionsweise des menschlichen Gehirnes, werden nicht berücksichtigt.
  2. Die grundsätzliche Offenheit praktisch aller komplexen Situationen (Unmöglichkeit der Aufzählung aller relevanten Variabel und iher Beziehungen) wird nicht berücksichtigt.
  3. Die untrennbare Verbundenheit von Fakten, Meinungen und Wertungen wird nicht einbezogen.
  4. Mangelhaftigkeit, Unvollständigkeit und Veränderlichkeit von Informationen werden nicht genügend berücksichtigt.
  5. Die Möglichkeit, stabile Zielsysteme und Beurteilungskriterien aufzustellen, wird ausserordentlich stark überschätzt.
  6. Die Anzahl der grundsätzlich verfügbaren Alternativen wird meistens unterschätzt.
  7. Es wird kaum berücksichtigt, dass ein komplexes Problem anfänglich fast nie spezifiziert werden kann: bestenfalls hat man nur weitläufige Absichtserklärungen mit Bezug auf die angestrebte Lösung.
  8. Der analytische Ansatz konzentriert sich vorwiegend auf quantifizierbare Aspekte eines Problems -> Scheinpräzision.
  9. Zeit- und Kostenbeschränkungen, die bei praktischen Entscheidungsprozessen häufig eine bestimmte Rolle spielen, werden kaum einbezogen.
  10. Die Unbestimmtheiten und « Irrationalitäten » menschlichen Verhaltens können nicht berücksichtigt werden oder werden bewusst ignoriert.
  11. Diskontinuitäten und überraschende Entwicklungen sind kaum fassbar.
  12. Es kann nicht oder nur schwer berücksichtigt werden, dass jede Problemlösung höchst vorübergehender Natur ist und dass immer mit unbeabsichtigen Nebenwirkungen gerechnet werden muss.
  13. Es wird nicht berücksichtigt, dass komplexe Probleme kaum jemals eine « richtige » Lösung aufweisen, da häufig der Begriff Lösung überhaupt nicht anwendbar ist.
Wie geht der Mensch mit Komplexität um?

Der Mensch macht, neben den oben erwähnten Notfallreaktionen, verschiedene Versuche, um komplexe Situationen zu bewältigen. Laut Prof. Peter Kruse verhält sich der Mensch wie folgt:

  1. Ausprobieren
  2. Ausblenden
  3. Rationales Durchdrengen, verstehen
  4. Sich konzentrieren auf einzelne Faktoren, trivialisieren
  5. Intuitiv agieren

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